Riemenhubtische: Pro & Contra

Riemenhubtische findet man vor allem in der Automobilindustrie
Riemen und Zubehör

In dem zweiten Artikel unserer Reihe Hubtischarten und ihre Vor- und Nachteile widmen wir uns den Riemenhubtischen.
Moderne Riemenhubtische setzten primär auf den Einsatz von Flachriemen. Viele der hier aufgeführten positiven wie auch negativen Eigenschaften lassen sich allerdings auch auf andere Hubtischarten mit Zugmittel übertragen.

Funktionsweise

Der Riemen dieser Hubtischart ist an einem Ende über ein Getriebe mit dem Elektromotor und am anderen Ende mit der Hubschere bzw. einem Hubschlitten verbunden.

Vereinfacht ausgedrückt: Das Ein- und Ausfahren des Scherenhubtisches erfolgt durch das Auf- und Abrollen des Riemens auf einer Welle. Durch die 'Verkürzung' der Riemenlänge stellt sich die Schere steiler und die Plattform wird mit der Last angehoben. Umgekehrt führt ein Abrollen des Riemens zu einer 'Verlängerung' des Riemens und zum Absenken der Last.

Vorteile von Riemenhubtischen

Kein Hydrauliköl

Der Verzicht von Hydrauliköl als Druckmedium kann mit einigen Vorteilen verbunden sein. Beispielsweise gibt es keine Risiken aufgrund von Leckagen durch unsachgemäß verlegte Hydraulikleitungen bzw. Materialversagen. Riemenhubtische können somit in Lebensmittelbereichen eingesetzt werden, ohne dass spezielle Maßnahmen wegen dem Hydrauliköl getroffen werden müssen. 

Platzierung des Antriebsaggregats außerhalb des Hubtisches

Bei Spindelhubtischen muss das Antriebsaggregat innerhalb der Hebebühne installiert werden. Dieser Nachteil entfällt bei Riemenhubtischen, da das Zugmittel durch eine Umlenkung problemlos nach außen geführt werden kann. Allerdings kann die Positionierung des Aggregats nicht so frei erfolgen, wie man es beispielsweise von einem hydraulischen Scherenhubtisch gewohnt ist.

Stoß- und schwingungsdämpfende Kraftübertragung

Tritt während des Hub- bzw. Senkvorgangs eine Kraftspitze auf, wird diese durch die Elastizität des Riemens gedämpft. Der gleiche positive Effekt zeigt sich auch bei etwaigen Schwingungen, wodurch das Risiko einer Eigenschwingung stark reduziert wird. Diese dämpfende Wirkung des Flachriemens schützt den Antrieb vor einer ungewollten Krafteinwirkung.

Nachteile von Riemenhubtischen

Ungleichmäßige Belastung der Zugriemen

Frühere Konstruktionen setzten bei der Kraftübertragung auf einen einzelnen Riemen. Bei einer Beschädigung dieses Riemens waren umstehende Personen einer hohen Gefährdung ausgesetzt. Aus diesem Grund werden in modernen Hubtischen je nach Traglast bis zu sechs Riemen eingesetzt.
Die neue Konstruktionsweise hat allerdings eine neue Problematik geschaffen. Aufgrund des vorhandenen Dehnschlupfs werden die einzelnen Riemen während des Hubvorgangs ungleichmäßig belastet und sind einem ständigen Spannungswechsel ausgesetzt.

Begrenzte Einsatzfähigkeit bei höheren Temperaturen

Der Werkstoff der Riemen verhindert durch seine Zusammensetzung eine Verwendung in höheren Temperaturbereichen. Zwar sind hohe Temperaturen auch bei anderen Hubtischarten nicht unproblematisch, allerdings können entsprechende Hilfsmittel wie z. B. Ölkühler eingesetzt werden. Eine solche Möglichkeit besteht bei Riemenhubtischen leider nicht, so dass entweder auf andere Hubtischbauarten zurückgegriffen oder passende Umgebungsbedingungen geschaffen werden müssen.

Empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen

Insbesondere unter Belastung reagieren die Riemen empfindlich auf äußere Einflüsse. Dies betrifft sowohl eine äußere Kraftwirkung als auch eine Verschmutzung des Riemens durch Öl, Benzin, Wasser, Schmutz oder Staub. Theoretisch könnte der Riemen durch eine Kapslung geschützt werden, allerdings gestaltet sich dies aufgrund der Bewegung der Schere als schwierig.

Lebenslanges Nachspannen

Durch die fortlaufende Dehnung des Zugmittels beim Heben und Senken des Hubtisches besteht die Notwendigkeit die Riemen über die gesamte Lebensdauer nachzuspannen.

Energiebedarf während des Hub- und Senkvorgangs

Bei einem hydraulischen Hubtisch wird die Energiebilanz oftmals dadurch verbessert, dass der Elektromotor nur während des Hubvorgangs betrieben werden muss. Die Energie für das Senken der Scherenhebebühne wird alleine durch die potentielle Energie der Last und des Eigengewichts des Hubtisches zur Verfügung gestellt.
Üblicherweise wird der Elektromotor beim Riemenhubtisch sowohl beim Auf- als auch beim Abrollen des Zugmittels benötigt. Prinzipiell könnte das Abrollen auch mit Hilfe des Eigengewichts erfolgen, allerdings würde dies das Fixieren der Last auf einer bestimmten Höhe erschweren.